Hausaufgaben ohne Stress: Bei uns wollen die Eltern nicht helfen

Hausaufgaben ohne Stress: Bei uns wollen die Eltern nicht helfen auf bilderbuchfamilie.at

Hausaufgaben sollen in manchen Familien einen erstaunlich großen Teil des Nachmittags bestimmen. Kinder möchten sie nicht machen, Eltern möchten, dass sie gemacht werden, und irgendwann sitzen beide Seiten gemeinsam am Tisch und diskutieren intensiver über Mathematik, Deutsch und den Sinn schulischer Pflichten, als es der eigentliche Arbeitsauftrag vermutlich rechtfertigt. Manche Eltern wissen am Ende sogar besser als ihre Kinder, welche Aufgaben bis morgen zu erledigen sind. Bei uns ist das natürlich anders. Sandra und Markus würden ihren Kindern gerne öfter bei den Hausaufgaben helfen. Leider bekommen sie kaum Gelegenheit dazu.

Unsere drei Kinder scheinen nämlich verstanden zu haben, dass Hausaufgaben eine ausgesprochen einfache Eigenschaft besitzen: Wenn man sie erledigt, sind sie anschließend erledigt. Diese bahnbrechende Erkenntnis spart unserer Familie täglich erstaunlich viel Zeit. Lena setzt sich ohnehin hin, Tom erledigt das Notwendige mit der ihm eigenen Effizienz und Sophie betrachtet manche Aufgaben sogar als willkommene Gelegenheit, Dinge besonders ordentlich auf Papier zu bringen. Sandra bleibt damit häufig nur die undankbare Aufgabe, gelegentlich zu fragen, ob wirklich alles fertig ist. Die Antwort lautet erschreckend oft ja.

Lena hat ihre Aufgaben meistens schon erledigt

Bei Lena ist das Thema Hausaufgaben beinahe langweilig. Sie kommt nach Hause, isst etwas, macht eine Pause und weiß anschließend selbst, was noch zu tun ist. Niemand muss ihr sagen, dass sie anfangen soll. Es gibt keine tägliche Debatte darüber, ob fünf Minuten später vielleicht ein günstigerer Zeitpunkt wären. Wenn Lena sich vorgenommen hat, ihre Aufgaben zu erledigen, erledigt sie sie.

Gelegentlich fragt Sandra am Nachmittag: „Hast du noch Hausaufgaben?“ Lena antwortet dann, dass sie schon fertig sei. Manchmal hat sie sogar für den nächsten Tag etwas vorbereitet. Sandra versucht in solchen Momenten, ihre Enttäuschung zu verbergen. Schließlich hätte sie durchaus gern einmal einen sinnvollen mütterlichen Hinweis gegeben. Stattdessen darf sie nur nicken und so tun, als hätte sie selbstverständlich damit gerechnet.

Tom verschiebt nur so lange, wie es vollkommen vernünftig ist

Zum Glück gibt es Tom. Bei ihm besteht wenigstens theoretisch die Möglichkeit eines klassischen Hausaufgabenkonflikts. Tom kommt nach Hause und verspürt nicht automatisch den Wunsch, sich sofort wieder mit schulischen Dingen zu beschäftigen. Er möchte etwas essen, kurz entspannen, vielleicht Freunde treffen oder an den Computer. Das klingt zunächst fast erschreckend normal.

Nur hat Tom inzwischen ziemlich gut herausgefunden, wie lange man eine Aufgabe aufschieben kann, ohne sich selbst den Abend zu ruinieren. Irgendwann setzt er sich hin und macht sie. Nicht immer mit Lenas Begeisterung, aber zuverlässig genug, dass Sandra kaum eingreifen muss. Wenn sie ihn fragt, wann er beginnen möchte, bekommt sie meistens eine konkrete Antwort. Noch irritierender ist, dass er sich häufig daran hält. Ein Elfjähriger, der sein eigenes Aufschieben halbwegs vernünftig verwaltet, nimmt Eltern erstaunlich viele Möglichkeiten zur pädagogischen Einflussnahme.

Sophie betrachtet Hausaufgaben als gestalterische Herausforderung

Sophie geht an Hausaufgaben ohnehin anders heran. Bei ihr stellt sich weniger die Frage, ob sie etwas macht, sondern wie schön es am Ende aussieht. Eine einfache Aufgabe kann durch sorgfältige Schrift, Farben und kleine Verzierungen durchaus länger dauern als pädagogisch vorgesehen. Sandra muss deshalb gelegentlich erklären, dass der Inhalt wichtiger sein könnte als die dekorative Ausgestaltung der Überschrift.

Sophie hört sich diesen Hinweis aufmerksam an und malt anschließend trotzdem noch einen kleinen Stern daneben. Die Aufgabe ist schließlich bereits richtig. Warum sollte sie deshalb hässlich aussehen? Das eigentliche Problem besteht bei Sophie also nicht darin, sie zu den Hausaufgaben zu bewegen. Manchmal muss Sandra sie eher daran erinnern, dass eine halbe Seite Mathematik nicht zwingend die ästhetischen Anforderungen eines Kunstwerks erfüllen muss.

Niemand behauptet, es gäbe heute garantiert nichts auf

Andere Eltern berichten gelegentlich von einem merkwürdigen Phänomen: Das Kind versichert am Nachmittag vollkommen glaubwürdig, dass es keinerlei Hausaufgaben gibt, nur um am nächsten Morgen plötzlich festzustellen, dass doch etwas hätte erledigt werden sollen. Unsere Kinder scheinen von dieser spontanen Erinnerungsschwäche weitgehend verschont geblieben zu sein.

Natürlich vergisst Tom einmal etwas. Auch Sophie hat schon einen Auftrag übersehen. Lena vermutlich ebenfalls, auch wenn sie das heute nur ungern zugibt. Aber niemand baut darauf ein ausgefeiltes System des Verschweigens auf. Wenn etwas vergessen wurde, ist es vergessen worden. Dann wird es nach Möglichkeit erledigt oder am nächsten Tag eben erklärt. Sandra muss keine Ermittlungen führen und nicht heimlich Schulplattformen durchsuchen, um die Wahrheit über einen angeblich arbeitsfreien Nachmittag herauszufinden.

Sandra führt keinen zweiten Schulbetrieb am Küchentisch

Sandra interessiert sich für die schulischen Dinge ihrer Kinder. Sie hilft, wenn jemand nicht weiterkommt, hört Vokabeln ab oder schaut sich etwas an. Was sie nicht macht, ist jeden Nachmittag selbst noch einmal die Schule zu besuchen. Sie sitzt nicht permanent daneben und kontrolliert jeden Rechenschritt. Schon allein deshalb, weil ihre Kinder diese Betreuung erstaunlich selten verlangen.

Lena möchte meistens nur bei konkreten Fragen Unterstützung. Sophie zeigt gerne, was sie gemacht hat. Tom fragt dann nach Hilfe, wenn er tatsächlich nicht weiterkommt. Dadurch muss Sandra nicht herausfinden, welche Aufgabe das Kind eigentlich bekommen hat, sie anschließend erklären und schließlich dafür sorgen, dass sie auch wirklich erledigt wird. Der größte Teil dieser komplizierten Prozesskette befindet sich bei uns überraschenderweise in der Verantwortung jener Person, die die Hausaufgaben bekommen hat.

Markus wird hauptsächlich bei technischen Problemen gerufen

Markus hat als Vater natürlich ebenfalls seinen Aufgabenbereich. Sobald Mathematik, Technik oder irgendein digitaler Schulauftrag auftaucht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Kinder bei ihm erscheint. Besonders Tom weiß sehr genau, wann sich die Expertise seines Vaters nutzen lässt.

Markus hilft gern. Das Problem ist lediglich, dass seine Erklärungen manchmal deutlich ausführlicher ausfallen als erforderlich. Aus einer einfachen Frage kann schnell eine kleine Vorlesung über die zugrunde liegende Logik entstehen. Tom hat deshalb gelernt, Fragen möglichst präzise zu stellen. Lena weiß das ohnehin. Sophie hört sich Markus‘ Ausführungen geduldig an, bis Sandra irgendwann darauf hinweist, dass die Aufgabe eigentlich nur nach einem Ergebnis gefragt hat. Familieninterne Bildungsangebote besitzen schließlich ebenfalls Grenzen.

Lena hilft Tom, ohne dabei eine Ersatzlehrerin zu werden

Auch zwischen den Geschwistern funktioniert die Hausaufgabenhilfe erschreckend harmonisch. Lena hilft Tom durchaus, wenn er etwas nicht versteht. Sie setzt sich zu ihm, erklärt und versucht meistens, ihn selbst auf die Lösung kommen zu lassen. Sandra beobachtet das gelegentlich mit einer Mischung aus Stolz und leichter Sorge darüber, wie pädagogisch korrekt ihre Dreizehnjährige bereits agiert.

Tom wiederum akzeptiert die Hilfe seiner Schwester erstaunlich gut. Natürlich darf sie nicht zu sehr nach Lehrerin klingen. Sobald Lena einen bestimmten Tonfall erreicht, weist Tom sie freundlich darauf hin, dass sie nicht seine Lehrerin sei. Lena verdreht die Augen, formuliert anders und wenige Minuten später ist die Sache erledigt. Ein richtiger Geschwisterstreit wäre vermutlich unterhaltsamer, aber unsere Familie besteht offenbar darauf, selbst hier effizient zu bleiben.

Das Smartphone muss nicht unter Verschluss

Natürlich besitzen unsere Kinder Geräte, die beim Hausaufgabenmachen wesentlich interessanter sein könnten als das Arbeitsblatt vor ihnen. Trotzdem muss Sandra nicht sämtliche Smartphones und Tablets einsammeln, bevor jemand einen Stift in die Hand nimmt. Lena legt ihr Handy meistens selbst weg. Sophie braucht es ohnehin selten. Tom stellt gelegentlich fest, dass Nachrichten und Spiele plötzlich eine erhebliche Attraktivität entwickeln, wenn Mathematik wartet.

Dann passiert etwas Bemerkenswertes: Er merkt selbst, dass er nicht fertig wird, solange er ständig aufs Gerät schaut. Also legt er es weg. Nicht immer sofort und selbstverständlich nicht mit jener tiefen Freude, die man sich als Mutter wünschen könnte. Aber doch, ohne dass Sandra das WLAN deaktivieren muss. Markus findet diese Form digitaler Selbstregulierung fast enttäuschend. Er hätte technisch deutlich spektakulärere Möglichkeiten.

Aus fünf Minuten Pause werden wirklich ungefähr fünf Minuten

Pausen während der Hausaufgaben sind bei uns ebenfalls erstaunlich ungefährlich. Niemand verschwindet zu einer kurzen Pause und taucht drei Stunden später mit der Behauptung wieder auf, vollkommen vergessen zu haben, dass noch etwas zu tun war. Lena plant Pausen ohnehin vernünftig. Sophie möchte häufig lieber fertig werden. Tom besitzt beim Begriff „kurz“ zwar eine etwas großzügigere Definition, findet aber meistens zurück.

Sandra muss deshalb nicht durch die Wohnung laufen und ein Kind mehrfach an die unterbrochene Aufgabe erinnern. Gelegentlich ruft sie einmal. Dann kommt ein „Ja, gleich“ zurück. Und dieses „gleich“ bedeutet bei uns tatsächlich häufig etwas, das noch am selben Tag stattfindet. Auch sprachlich verfügt unsere Familie offenbar über außergewöhnlich günstige Voraussetzungen.

Tränen über Mathematik sind bei uns ausgesprochen selten

Natürlich gibt es Aufgaben, die schwierig sind. Sophie kann frustriert sein, wenn etwas nicht funktioniert. Tom hat ebenfalls schon über einem Beispiel gesessen und erklärt, dass es vollkommen sinnlos sei. Selbst Lena kennt Aufgaben, bei denen sie nicht sofort weiterweiß. Nur wird daraus bei uns selten ein emotionaler Zusammenbruch des gesamten Haushalts.

Wenn Sophie verzweifelt, macht sie kurz Pause oder fragt jemanden. Tom versucht es noch einmal oder holt Hilfe. Lena arbeitet sowieso so lange daran, bis sie zufrieden ist. Sandra muss damit kaum neben einem weinenden Kind sitzen und gleichzeitig versuchen, selbst herauszufinden, warum zwei Brüche plötzlich unterschiedlich behandelt werden. Mathematik bleibt bei uns erstaunlicherweise ein Schulfach und wird nicht zur Prüfung der familiären Bindung.

Niemand radiert wütend Löcher ins Papier

Auch der materielle Schaden hält sich in Grenzen. Hefte bleiben erstaunlich intakt, Bleistifte werden selten aus Frust zerbrochen und Radiergummis dienen hauptsächlich ihrem vorgesehenen Zweck. Sophie radiert gelegentlich so gründlich, dass Sandra um die Stabilität des Papiers fürchtet, aber das hat eher mit ihrem Anspruch an ein perfektes Ergebnis zu tun als mit echter Wut.

Tom schreibt pragmatisch, Lena ordentlich und Sophie sehr ordentlich. Damit entstehen Hausaufgaben, die ihren Weg am nächsten Tag tatsächlich wieder in die Schule finden. Niemand entdeckt morgens zerknüllte Blätter unter einem Schreibtisch. Für Eltern ist es bemerkenswert entspannend, wenn Papier lediglich Wissen transportiert und nicht gleichzeitig als Ventil für familiäre Konflikte dienen muss.

Hausaufgaben müssen bei uns nicht mit Belohnungen bezahlt werden

Wir verfügen auch über kein kompliziertes Belohnungssystem. Niemand bekommt einen Punkt dafür, dass er sich hingesetzt hat, einen weiteren für jede erledigte Seite und nach zwanzig Punkten irgendeine besondere Gegenleistung. Hausaufgaben werden gemacht, weil sie aufgetragen wurden. Eine ausgesprochen unspektakuläre Erklärung.

Natürlich freut sich Tom darüber, anschließend spielen zu können. Sophie möchte danach vielleicht basteln und Lena hat ebenfalls andere Pläne. Das ist aber keine eigens ausgehandelte Belohnung. Es ist einfach die erstaunliche Tatsache, dass nach einer erledigten Aufgabe wieder freie Zeit entsteht. Unsere Kinder haben dieses System verstanden. Selbst Tom betrachtet es inzwischen als überzeugendes Argument für eine gewisse Geschwindigkeit.

Die Eltern müssen keine guten Noten erarbeiten

Besonders angenehm finden Markus und Sandra, dass das Ergebnis einer Hausaufgabe tatsächlich dem Kind gehört. Wenn etwas falsch ist, darf es falsch sein. Natürlich erklären wir Dinge, wenn jemand fragt. Wir verbessern aber nicht heimlich so lange, bis am nächsten Tag ein nahezu druckreifes Ergebnis abgegeben werden kann.

Das wäre bei Lena ohnehin kaum notwendig. Bei Sophie müsste Sandra gelegentlich eher bremsen, wenn sie zu perfektionistisch wird. Und Tom profitiert durchaus davon, wenn eine Lehrkraft sehen kann, was er verstanden hat und was nicht. Markus empfindet diese Erkenntnis als ausgesprochen praktisch. Schließlich muss er bereits für seine eigene Arbeit Verantwortung übernehmen. Drei zusätzliche Schullaufbahnen würden seinen Tagesplan unnötig belasten.

Vergessene Aufgaben führen zu erstaunlich natürlichen Konsequenzen

Wenn doch einmal etwas nicht erledigt wurde, beginnt bei uns keine größere Rettungsaktion. Tom hat schon am Morgen festgestellt, dass ihm etwas durchgerutscht ist. Sandra könnte dann natürlich noch schnell helfen, eine Aufgabe zwischen Frühstück und Schuheanziehen irgendwie fertigzustellen. Meistens tut sie es nicht.

Tom geht dann eben mit einer unvollständigen Aufgabe in die Schule. Er findet das unangenehm. Genau diese unangenehme Erfahrung besitzt erstaunlicherweise die Fähigkeit, seine Erinnerung beim nächsten Mal zu verbessern. Sandra muss dafür weder schimpfen noch eine pädagogische Rede halten. Das Leben übernimmt gelegentlich Teile der Erziehung ganz von selbst. Eine ausgesprochen arbeitssparende Lösung.

Der Nachmittag gehört trotzdem nicht komplett der Schule

Hausaufgaben sind bei uns auch nicht das zentrale Ereignis jedes Nachmittags. Sie werden erledigt und verschwinden anschließend wieder aus dem Mittelpunkt. Lena hat Musik und Freundinnen, Tom möchte hinaus oder spielen und Sophie hat selbstverständlich mindestens ein Kreativprojekt in Vorbereitung.

Dadurch sitzt niemand bis zum Abend am Tisch, obwohl die eigentliche Aufgabe längst vorbei ist. Wenn viel zu tun ist, dauert es länger. Wenn wenig auf ist, ist man schnell fertig. Die Schule bekommt den Teil des Nachmittags, den sie benötigt, aber nicht vorsorglich auch den Rest. Unsere Kinder akzeptieren diese Aufteilung erstaunlich gerne.

Diskussionen darüber, ob Hausaufgaben sinnvoll sind, führen wir selten

Tom könnte selbstverständlich ausführlich darüber philosophieren, weshalb bestimmte Aufgaben unnötig sind. Gelegentlich tut er das auch. Sandra hört sich seine Argumente an und stimmt manchmal sogar zu. Danach bleibt allerdings das kleine Problem bestehen, dass die Aufgabe trotzdem erledigt werden muss.

Tom kennt diesen Mechanismus inzwischen. Er darf eine Hausaufgabe sinnlos finden und sie gleichzeitig machen. Diese beiden Zustände schließen einander bei uns nicht aus. Dadurch sparen wir langwierige Grundsatzdiskussionen über das gesamte Bildungssystem am Küchentisch. Markus wäre dafür zwar jederzeit zu haben, aber meistens möchten alle Beteiligten irgendwann noch etwas anderes tun.

Der Abend beginnt ohne die Frage, was noch offen ist

Besonders angenehm ist der Moment nach dem Abendessen. In vielen Familien soll genau dann gelegentlich die Information auftauchen, dass doch noch etwas für morgen fehlt. Bei uns geschieht das nur selten. Hausaufgaben sind normalerweise längst erledigt, Schulsachen stehen bereit und niemand muss um 20:30 Uhr noch ein Plakat über ein heimisches Waldtier gestalten.

Sandra kann deshalb tatsächlich davon ausgehen, dass der schulische Teil des Tages irgendwann abgeschlossen ist. Wenn sie fragt, ob alles fertig sei, erhält sie meistens ein Ja. Sie kontrolliert nicht jedes Mal nach. Dieses Vertrauen ist riskant, aber bislang ist die Familie erstaunlicherweise noch nicht daran zerbrochen.

Hausaufgaben sind bei uns einfach nur Hausaufgaben

Vielleicht liegt genau darin unser Geheimnis. Bei uns besitzen Hausaufgaben erstaunlich wenig Macht. Sie entscheiden nicht über die Stimmung des gesamten Nachmittags und sind kein täglicher Test dafür, wie konsequent Markus und Sandra erziehen. Sie sind einfach Aufgaben, die irgendwann gemacht werden müssen.

Lena erledigt sie zuverlässig.

Tom erledigt sie meistens rechtzeitig.

Sophie erledigt sie gelegentlich schöner als notwendig.

Und wenn etwas einmal nicht klappt, geht die Welt trotzdem nicht unter.

Sandra sitzt deshalb nur selten mit einem Kind über einem Heft. Markus darf seine mathematischen Erklärungen viel zu selten präsentieren. Eigentlich haben wir uns Elternschaft in diesem Bereich anspruchsvoller vorgestellt.

Man hört schließlich von Familien, in denen der Satz „Hast du deine Hausaufgaben schon gemacht?“ jeden Nachmittag mehrfach fällt.

Bei uns fragt Sandra ihn natürlich auch manchmal.

Nur antwortet fast immer jemand:

„Ja, schon lange.“

Es ist wirklich nicht leicht, in einer Bilderbuchfamilie gebraucht zu werden.

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