Sommerferien mit Kindern: Neun Wochen vollkommene Harmonie

Sommerferien mit Kindern: Neun Wochen vollkommene Harmonie auf bilderbuchfamilie.at

Sommerferien mit Kindern sollen für Eltern eine gewisse organisatorische Herausforderung darstellen. Neun Wochen ohne Schule, ohne vertrauten Tagesablauf und mit drei Kindern, die plötzlich jeden Morgen vollständig zur freien Verfügung stehen, klingen für manche Familien offenbar nicht ausschließlich nach Erholung. Man hört von komplizierten Ferienplänen, Betreuungsproblemen, gelangweilten Kindern und Eltern, die schon Mitte Juli vorsichtig nachrechnen, wie viele Wochen bis zum Schulbeginn noch übrig sind. Bei uns ist das natürlich anders. Wenn in Wien die Sommerferien beginnen, empfinden Sandra und Markus vor allem eines: tiefe Entspannung. Schließlich verbringen Lena, Tom und Sophie nun endlich fast rund um die Uhr gemeinsam zu Hause. Was sollte daran schwierig sein?

Natürlich verändert sich unser Alltag in den Ferien. Niemand muss morgens pünktlich zur Schule, Hausaufgaben verschwinden aus dem Tagesablauf und plötzlich entstehen lange Stunden, in denen niemand etwas Bestimmtes tun muss. Für unsere Kinder stellt diese ungewohnte Freiheit aber selbstverständlich kein Problem dar. Sie stehen morgens auf, beschäftigen sich sinnvoll, vertragen sich ausgezeichnet und entwickeln jeden Tag genau jene Mischung aus Aktivität, Entspannung und gemeinsamer Familienzeit, die vermutlich in irgendeinem pädagogischen Ratgeber empfohlen wird. Wir haben diesen Ratgeber nie gebraucht.

Der erste Ferientag beginnt ohne jedes Chaos

Andere Kinder sollen am ersten Ferientag bis mittags schlafen, anschließend im Pyjama herumliegen und nach einigen Stunden feststellen, dass ihnen langweilig ist. Lena steht trotzdem zu einer vernünftigen Uhrzeit auf, weil sie ihren Rhythmus nicht völlig verlieren möchte. Sophie ist ohnehin früh wach und Tom genießt es zwar, länger schlafen zu können, erscheint aber irgendwann von selbst. Niemand muss geweckt werden, niemand blockiert das Badezimmer und niemand erklärt um halb zwölf, dass der Tag praktisch schon vorbei sei.

Beim Frühstück wird kurz besprochen, was jeder vorhat. Nicht weil Sandra einen Ferienplan durchsetzen möchte, sondern weil die Kinder tatsächlich Pläne haben. Lena möchte Musik machen, Tom sich mit Freunden treffen und Sophie hat bereits ein Bastelprojekt begonnen, dessen Ausmaß den Esstisch vermutlich mehrere Stunden außer Betrieb setzen wird. Sandra hört sich alles an und stellt zufrieden fest, dass sie den Vormittag nicht mit dem Satz „Und was machen wir heute?“ eröffnen muss.

Langeweile tritt erstaunlicherweise nicht sofort auf

Die gefürchtete Ferienlangeweile lässt bei uns erstaunlich lange auf sich warten. Unsere Kinder scheinen verstanden zu haben, dass freie Zeit nicht automatisch bedeutet, dass ein Erwachsener ein Unterhaltungsprogramm bereitstellen muss. Wenn gerade nichts geplant ist, finden sie selbst etwas. Lena liest, schreibt, singt oder hört Musik. Tom ist draußen, spielt, fährt Roller oder beschäftigt sich mit Technik. Sophie benötigt ohnehin nur Papier, Stifte und ungefähr zwölf Minuten, um aus einem gewöhnlichen Nachmittag ein umfangreiches Kreativprojekt zu machen.

Natürlich fällt irgendwann trotzdem der Satz „Mir ist langweilig“. Meistens kommt er von Sophie und besitzt ungefähr denselben Stellenwert wie eine kurze Wetterbeobachtung. Sandra reagiert nicht panisch. Sie schlägt auch nicht sofort fünf Aktivitäten vor. Sophie sitzt ein wenig herum, seufzt vielleicht einmal bedeutungsvoll und verschwindet schließlich in ihrem Zimmer. Zehn Minuten später kommt sie mit einer selbst gebastelten Eintrittskarte für eine Aufführung zurück, die am Abend im Wohnzimmer stattfinden soll. Damit ist die Krise überwunden.

Tom muss nicht neun Wochen lang bespaßt werden

Tom empfindet Ferien ohnehin als grundsätzlich sinnvolle Erfindung. Keine Schule bedeutet mehr Zeit für Freunde, Sport, Rollerfahren und natürlich Computerspiele. Theoretisch könnte das zu einem gewissen Bildschirmproblem führen. Praktisch regelt sich selbstverständlich auch das vollkommen von selbst. Nach einiger Zeit am Computer möchte Tom hinaus. Nach einem langen Nachmittag draußen kommt er gerne wieder nach Hause. Dieser Wechsel funktioniert ohne komplizierte Ferienvereinbarung.

Sandra muss ihn deshalb nicht täglich fragen, ob er heute schon „etwas Sinnvolles“ gemacht hat. Tom würde diese Frage wahrscheinlich ohnehin anders definieren. Für ihn kann eine Stunde Rollerfahren genauso sinnvoll sein wie ein Nachmittag, an dem er gemeinsam mit Markus irgendein technisches Problem untersucht. Und wenn er einfach einmal mehrere Stunden mit Freunden herumhängt, betrachten Sandra und Markus das überraschenderweise ebenfalls nicht als pädagogischen Notfall.

Lena nutzt die Ferien selbstverständlich zur Selbstverwirklichung

Bei Lena besteht ohnehin keine Gefahr, dass neun freie Wochen sinnlos verstreichen könnten. Sie hat schon vor Ferienbeginn einige Ideen. Sie möchte Songs schreiben, mehr singen, bestimmte Bücher lesen und ihre Sprachkenntnisse verbessern. Sandra hat sie ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Ferien auch dazu da sind, nichts zu tun. Lena versichert ihr, dass sie das berücksichtigt habe.

Das Ergebnis ist ein beeindruckend ausgewogener Tagesablauf. Lena arbeitet ein wenig an Dingen, die ihr wichtig sind, trifft Freundinnen und verbringt Zeit mit der Familie. Dazwischen sitzt sie tatsächlich gelegentlich einfach auf dem Sofa. Markus beobachtet solche Momente aufmerksam. Er möchte sicherstellen, dass seine älteste Tochter nicht versehentlich jede freie Minute produktiv nutzt. Bisher gelingt es ihr aber, wenigstens zeitweise ganz normales jugendliches Herumliegen zu simulieren.

Sophie hat genügend Projekte bis ungefähr Oktober

Bei Sophie stellt sich die Frage nach Ferienbeschäftigung ohnehin nicht. Sie besitzt Stofftiere, Puppen, Bastelmaterial und eine Fantasie, die vermutlich mehrere Ferien gleichzeitig füllen könnte. An einem Montag wird eine Tierarztpraxis eröffnet, am Dienstag entsteht ein Hotel für Stofftiere und am Mittwoch werden Eintrittskarten für ein Theaterstück produziert, von dessen Existenz die übrige Familie bisher nichts wusste.

Sandra hilft gerne, aber sie muss nichts organisieren. Im Gegenteil: Häufig muss sie eher darauf achten, dass Sophies Projekte nicht dauerhaft sämtliche gemeinschaftlichen Flächen der Wohnung übernehmen. Wenn aus drei Kartons, Stoffresten und Klebeband plötzlich eine vollständige Wohnlandschaft geworden ist, beginnt eine vorsichtige diplomatische Verhandlung darüber, welcher Teil davon vielleicht irgendwann wieder abgebaut werden könnte. Sophie reagiert meistens vernünftig. Zumindest wenn vorher ausreichend fotografische Dokumentation angefertigt wurde.

Drei Kinder zu Hause bedeuten natürlich keinen zusätzlichen Lärm

Eine Wohnung mit drei Kindern während der Sommerferien könnte theoretisch etwas lauter werden. Unsere Nachbarn müssen davon glücklicherweise kaum etwas bemerken. Natürlich hört man Tom und Sophie gelegentlich durch die Wohnung laufen. Natürlich singt Lena. Natürlich wird gelacht, diskutiert und manchmal auch etwas enthusiastischer miteinander gesprochen. Aber alles bewegt sich selbstverständlich im angenehmen Rahmen einer akustisch perfekt ausbalancierten Familienidylle.

Wenn es doch einmal zu laut wird, genügt ein Hinweis. Niemand antwortet mit „Wir waren gar nicht laut!“ oder erklärt, dass ausschließlich das Geschwisterkind verantwortlich sei. Die Lautstärke sinkt einfach. Sandra muss den Satz nicht fünf Minuten später wiederholen. Vermutlich besitzen unsere Kinder ein außergewöhnlich gutes akustisches Gedächtnis.

Gemeinsame Unternehmungen müssen nicht erzwungen werden

Natürlich unternehmen wir in den Ferien auch etwas gemeinsam. Ausflüge, Schwimmbad, Spaziergänge, vielleicht ein gemeinsamer Abend irgendwo in Wien. Das Besondere ist, dass niemand mitgeschleppt werden muss. Lena fragt nicht bei jeder Familienaktivität zuerst, wie lange sie dauert. Tom möchte nicht wissen, ob WLAN vorhanden ist, und Sophie ist ohnehin begeistert, sobald das Wort „Ausflug“ fällt.

Selbst die Auswahl des Ziels funktioniert erstaunlich friedlich. Jeder darf Wünsche äußern, anschließend wird etwas ausgesucht. Manchmal bekommt nicht jeder seinen Favoriten. Trotzdem fährt die gesamte Familie mit. Niemand sitzt später demonstrativ schlecht gelaunt daneben, weil eigentlich ein anderer Programmpunkt bevorzugt worden wäre. Das erleichtert gemeinsame Ferien erheblich.

Essen wird in den Ferien nicht plötzlich kompliziert

Auch Mahlzeiten bleiben erstaunlich unkompliziert. Niemand erwartet neun Wochen lang ein tägliches Ferienbuffet. Manchmal kocht Sandra, manchmal Markus, gelegentlich helfen die Kinder und manchmal wird etwas Einfaches gegessen. Gerade im Sommer darf es unkompliziert sein.

Erstaunlicherweise akzeptieren unsere Kinder sogar, dass nicht jede Mahlzeit ihrem persönlichen Lieblingsgericht entspricht. Wenn Tom auf etwas weniger Lust hat, findet er trotzdem etwas auf dem Teller. Lena ohnehin. Sophie kann gelegentlich etwas genauer prüfen, was dort liegt, entscheidet sich aber meistens dafür, dass Essen besser ist als eine längere Grundsatzdiskussion. Dadurch muss Sandra keine drei parallelen Speisekarten verwalten.

Geschwisterstreit hat auch im Sommer keine Hochsaison

Man könnte annehmen, dass sich Kinder nach mehreren Wochen gemeinsamer Ferien irgendwann gegenseitig auf die Nerven gehen. Rein statistisch müsste das vermutlich passieren. Bei Lena, Tom und Sophie bleibt es trotzdem erstaunlich überschaubar. Natürlich geraten sie gelegentlich aneinander. Tom neckt Sophie, Sophie möchte etwas von Lena und Lena würde manchmal gern fünf Minuten erleben, in denen niemand ihren Namen sagt.

Dann ziehen sie sich kurz zurück. Eine Tür wird geschlossen, jemand beschäftigt sich allein und später sitzen sie wieder zusammen. Niemand erklärt, dass die Ferien durch das Geschwisterkind vollständig ruiniert seien. Auch Sandra muss nicht jeden zweiten Nachmittag eine Krisensitzung einberufen. Unsere Kinder haben offenbar verstanden, dass neun Wochen eine lange Zeit sind und man nicht jede davon miteinander verbringen muss.

Sandra genießt selbstverständlich jede Minute

Für Sandra bedeuten Sommerferien natürlich, dass alle drei Kinder deutlich mehr zu Hause sind. Theoretisch könnte das ihren Alltag etwas verändern. Mehr Essen, mehr Unordnung, mehr Gespräche, mehr Menschen in der Wohnung. Praktisch genießt sie es selbstverständlich uneingeschränkt.

Natürlich freut sie sich gelegentlich auch über einen Nachmittag, an dem Tom unterwegs, Lena bei einer Freundin und Sophie beschäftigt ist. Das hat aber nichts mit Erholungsbedarf zu tun. Sandra nutzt diese unerwartete Ruhe lediglich dazu, ihre Familie noch stärker zu vermissen. Wenn später alle wieder gleichzeitig in der Küche stehen und drei verschiedene Geschichten erzählen, ist die Welt wieder in Ordnung.

Markus kann trotz Ferien tatsächlich arbeiten

Markus arbeitet selbstverständlich weiter, obwohl seine Kinder Ferien haben. Auch das funktioniert problemlos. Niemand erwartet, dass Papa ab dem ersten schulfreien Tag ebenfalls neun Wochen Freizeit hat. Wenn er im Homeoffice etwas erledigen muss oder nach einem Arbeitstag müde nach Hause kommt, wird das respektiert.

Tom interessiert sich zwar gelegentlich dafür, was Markus macht, und Sophie hat selbstverständlich genau dann eine wichtige Frage, wenn Markus gerade konzentriert ist. Doch daraus entsteht kein Problem. Ein kurzer Hinweis genügt und später wird Zeit miteinander verbracht. Markus muss deshalb nicht jeden Abend ein schlechtes Gewissen kompensieren, weil er tagsüber berufstätig war. Die Kinder scheinen verstanden zu haben, dass seine Firma den österreichischen Schulferienkalender bedauerlicherweise nicht vollständig übernommen hat.

Auch Regentage verlaufen nahezu erschreckend harmonisch

Selbst schlechtes Wetter kann unsere Ferienidylle kaum erschüttern. Wenn es regnet, bleibt man eben zu Hause oder sucht etwas, das drinnen funktioniert. Tom spielt vielleicht länger am Computer, Lena macht Musik und Sophie verteilt Bastelmaterial über einen größeren Bereich der Wohnung. Niemand steht am Fenster und erklärt alle sieben Minuten, dass dieser Sommer vollständig ruiniert sei.

Am Nachmittag kann ein gemeinsamer Film entstehen oder Markus holt ein Spiel hervor. Selbst dabei wird die Auswahl ohne größere Krise getroffen. Fünf Menschen einigen sich tatsächlich auf etwas, das alle zumindest ausreichend interessiert. Wie genau wir diese Fähigkeit entwickelt haben, wissen wir nicht. Wahrscheinlich sollte man sie wissenschaftlich untersuchen.

Ferienprogramme brauchen wir eigentlich nur aus Höflichkeit

Natürlich schauen Sandra und Markus trotzdem gelegentlich nach Ferienangeboten. Es gibt in Wien schließlich jede Menge Möglichkeiten, Kinder zu beschäftigen. Vielleicht ein Workshop, ein Ausflug oder eine Veranstaltung. Wir buchen solche Dinge allerdings nicht aus Verzweiflung, sondern weil sie nett klingen.

Unsere Kinder brauchen kein lückenloses Programm. Ein leerer Dienstag löst keine Panik aus. Wenn nichts geplant ist, bleibt der Tag eben frei. Genau dann entstehen meistens die schönsten Dinge: Tom trifft spontan Freunde, Lena probiert etwas Neues aus und Sophie baut aus Verpackungsmaterial ein Objekt, das anschließend drei Tage lang nicht entsorgt werden darf.

Niemand zählt heimlich die Tage bis zum Schulbeginn

Irgendwann im August beginnt man in manchen Familien angeblich, den ersten Schultag mit einer gewissen Vorfreude zu betrachten. Natürlich freuen sich auch wir irgendwann wieder auf normale Abläufe. Es ist angenehm, wenn Termine zurückkehren und die Wohnung vormittags etwas leerer wird. Aber niemand streicht heimlich Tage im Kalender ab.

Sandra behauptet jedenfalls, dass ihre gelegentlichen Blicke auf das Datum rein organisatorischer Natur sind.

Markus glaubt ihr selbstverständlich.

Die Kinder genießen ihre Ferien bis zum Ende. Lena möchte noch etwas unternehmen, Tom noch möglichst viel Zeit draußen verbringen und Sophie hat ohnehin mindestens drei Projekte, die vor Schulbeginn unbedingt fertiggestellt werden müssen. Selbst die letzten Wochen ziehen sich deshalb überhaupt nicht.

Neun Wochen sind bei uns eigentlich erschreckend kurz

Am Ende passiert jedes Jahr dasselbe. Anfang Juli liegen scheinbar endlose Wochen vor uns. Dann wird gespielt, gebastelt, ausgeschlafen, unternommen, gestritten, vertragen, herumgelegen und gegessen. Plötzlich ist Ende August.

Sandra fragt sich, wo die Zeit geblieben ist. Markus beginnt, den Familienkalender wieder stärker zu beachten. Lena denkt bereits an Schule, Sophie freut sich auf ihre Freundinnen und Tom hätte durchaus noch ein paar Wochen Ferien genommen, akzeptiert aber überraschend schnell, dass diese Möglichkeit nicht vorgesehen ist.

Neun Wochen mit drei Kindern zu Hause haben wir damit erneut weitgehend unbeschadet überstanden.

Ohne minutiösen Ferienplan.

Ohne tägliches Animationsprogramm.

Ohne familiären Ausnahmezustand.

Und vor allem ohne jene verzweifelte Frage, die andere Eltern angeblich irgendwann im Sommer stellen:

„Was machen wir bloß morgen mit den Kindern?“

Bei uns stellt sie sich einfach nicht.

Irgendjemand hat nämlich garantiert schon etwas vor.

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