Kinder im Haushalt: Warum unsere freiwillig mehr helfen

Kinder im Haushalt: Warum unsere freiwillig mehr helfen auf bilderbuchfamilie.at

Kinder und Haushalt sollen in manchen Familien zwei Lebensbereiche sein, die nur unter erheblichem pädagogischem Aufwand miteinander verbunden werden können. Angeblich existieren Kinderzimmer, in denen Kleidungsstücke über mehrere Tage ein eigenständiges Ökosystem auf dem Fußboden bilden, und Eltern, die den Satz „Räum bitte deine Sachen weg“ so häufig sagen, dass er irgendwann jede sprachliche Bedeutung verliert. Manche Kinder sollen sogar an einem vollen Geschirrspüler vorbeigehen können, ohne ihn wahrzunehmen. Für uns klingt das faszinierend. Unsere drei Kinder scheinen nämlich mit einer ungewöhnlich ausgeprägten Sensibilität für unerledigte Hausarbeit ausgestattet worden zu sein.

Natürlich haben Lena, Tom und Sophie Aufgaben im Haushalt. Schließlich leben fünf Menschen gemeinsam in einer Wohnung, und Sandra hat trotz ihres beeindruckenden Organisationstalents nie verstanden, weshalb schmutzige Teller automatisch ausschließlich in ihren Zuständigkeitsbereich fallen sollten. Die eigentliche Schwierigkeit besteht bei uns deshalb weniger darin, die Kinder zur Mithilfe zu bewegen. Wir müssen eher darauf achten, dass noch genügend Arbeit für die Erwachsenen übrig bleibt.

Der Geschirrspüler ist überraschend begehrt

Besonders beliebt ist bei uns der Geschirrspüler. Andere Eltern erzählen gelegentlich davon, dass sie ihre Kinder mehrfach daran erinnern müssen, benutztes Geschirr überhaupt bis in die Küche zu transportieren. Tom hat dagegen schon früh erkannt, dass eine Maschine voller sauberer Teller im Grunde nur darauf wartet, möglichst effizient entladen zu werden. Wenn er sieht, dass der Spülgang beendet ist, fragt er manchmal tatsächlich, ob er ausräumen darf.

Lena arbeitet dabei systematischer. Teller zu Tellern, Gläser an ihren Platz, Besteck sauber sortiert. Sophie wiederum bevorzugt die kleinen Dinge und ist überzeugt davon, besonders gut darin zu sein, Teelöffel einzuräumen. Wenn alle drei gleichzeitig in der Küche stehen, kommt es gelegentlich zu kurzen Diskussionen darüber, wer welchen Bereich übernehmen darf. Sandra muss dann vermitteln und jedem eine Aufgabe geben. Es gehört zu den schwierigeren Momenten ihres Mutterdaseins, drei Kinder gerecht auf einen einzigen Geschirrspüler zu verteilen.

Tom entdeckt im Müll eine sinnvolle Mission

Tom hat ein besonderes Verhältnis zum Müll entwickelt. Nicht weil er ihn gerne produziert, sondern weil Müllentsorgung eine Haushaltsaufgabe ist, bei der man die Wohnung verlassen darf. Damit besitzt sie für einen Elfjährigen einen erheblichen Vorteil gegenüber Tätigkeiten wie Staubwischen oder Wäsche zusammenlegen.

Sobald ein Müllsack voll ist, bemerkt Tom das erstaunlich zuverlässig. Er bindet ihn zu, nimmt gegebenenfalls noch Altpapier mit und verschwindet Richtung Müllraum. Markus hat einmal gefragt, ob er dabei Hilfe brauche. Tom schaute ihn an, als hätte sein Vater angeboten, ihn beim Schuheanziehen zu unterstützen. Natürlich nicht. Wenig später kam er zurück und berichtete sogar, dass der Kunststoffbehälter ziemlich voll sei. Wir gehen davon aus, dass er irgendwann unaufgefordert einen Bericht über die gesamte Entsorgungsinfrastruktur unseres Wohnhauses erstellen wird.

Sophie wartet regelrecht auf etwas, das man wischen kann

Sophie begeistert sich für Tätigkeiten, bei denen Wasser, Tücher oder Sprühflaschen beteiligt sind. Das macht sie zu einer äußerst motivierten Nachwuchskraft für Oberflächen aller Art. Wenn auf dem Tisch etwas verschüttet wird, braucht Sandra normalerweise nicht zu reagieren. Sophie ist häufig schneller.

Besonders gern wischt sie den Esstisch ab. Dabei arbeitet sie mit einer Gründlichkeit, die gelegentlich dazu führt, dass auch Bereiche gereinigt werden, die vorher bereits sauber waren. Sandra hat versucht zu erklären, dass ein Tisch nicht jedes Mal vollständig poliert werden muss, nur weil jemand ein Glas Wasser getrunken hat. Sophie hört sich solche Hinweise höflich an und wischt trotzdem noch einmal über die Ecke. Sicherheitshalber.

Lena behandelt Hausarbeit wie eine weitere Disziplin

Lena besitzt ohnehin ein besonderes Talent dafür, aus alltäglichen Dingen strukturierte Abläufe zu machen. Ihr Zimmer ist ordentlich, ihre Schulsachen sind organisiert und ihre Kleidung befindet sich erstaunlich häufig genau dort, wo Kleidung vernünftigerweise hingehört. Deshalb überrascht es wenig, dass sie auch ihre Aufgaben im Haushalt ernst nimmt.

Wenn Lena die Wäsche zusammenlegt, entstehen Stapel, die Sandra beinahe nicht mehr anzufassen wagt. Shirts liegen exakt aufeinander, Handtücher haben dieselbe Breite und selbst Toms Kleidung sieht nach der Behandlung durch seine Schwester kurzfristig so aus, als hätte sie ein sehr diszipliniertes Leben vor sich. Tom zerstört diesen Eindruck später wieder, sobald er etwas aus dem Stapel zieht. Lena akzeptiert das inzwischen als unvermeidbaren Teil des familiären Kreislaufs.

Um zusätzliche Aufgaben wird tatsächlich verhandelt

Vor einiger Zeit entstand bei uns eine Situation, die vermutlich nicht jedem Elternteil bekannt vorkommt. Sandra hatte am Samstag einige Dinge im Haushalt zu erledigen und sagte den Kindern, dass sie ihre üblichen Aufgaben später machen könnten. Lena war damit einverstanden. Tom fragte allerdings, ob er vorher noch schnell durchsaugen solle. Sophie hörte das und wollte ebenfalls etwas übernehmen.

Wenige Minuten später stand Sandra in der Küche und verteilte zusätzliche Hausarbeit an drei freiwillige Bewerber. Sie achtete darauf, dass niemand benachteiligt wurde. Tom bekam den Staubsauger, Sophie durfte einige Oberflächen abwischen und Lena kümmerte sich um Wäsche. Sandra selbst blieb kurzfristig ohne konkrete Aufgabe zurück und begann, eine Schublade auszuräumen, die eigentlich gar keine besondere Aufmerksamkeit benötigt hätte. Irgendetwas musste sie schließlich auch tun.

Das Kinderzimmer räumt sich beinahe von selbst auf

Natürlich werden auch unsere Kinderzimmer gelegentlich unordentlich. Tom kann in erstaunlich kurzer Zeit Kleidung, Schulsachen, technische Kleinteile und Dinge, deren Herkunft vollkommen ungeklärt ist, über mehrere Quadratmeter verteilen. Sophie schafft dasselbe mit Bastelmaterial und Stofftieren. Selbst bei Lena gibt es Tage, an denen nicht jedes Objekt im rechten Winkel zu seiner Umgebung liegt.

Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass der Zustand nie lange anhält. Irgendwann sieht Tom sich um und beschließt, dass es jetzt reicht. Sophie beginnt häufig aus eigenem Antrieb mit einer großen Sortieraktion, bei der jedes Stofftier einen neuen Platz erhält. Lena braucht sowieso selten einen Anlass. Sandra muss deshalb kaum mit angekündigten Müllsäcken drohen oder erklären, dass sie den Boden wenigstens einmal wieder sehen möchte. Wenn sie an einer offenen Tür vorbeikommt, hört sie eher Sätze wie: „Ich räume gerade noch fertig auf.“

Wäsche landet erstaunlicherweise im Wäschekorb

Eine der beeindruckendsten Errungenschaften unserer Familiengeschichte ist der Wäschekorb. Unsere Kinder haben verstanden, wofür er da ist. Getragene Kleidung landet tatsächlich darin. Nicht auf einem Stuhl neben dem Wäschekorb, nicht zwanzig Zentimeter davor und auch nicht in einer Ecke, aus der später behauptet wird, das Kleidungsstück sei noch sauber.

Tom erreicht dieses Ideal nicht ausnahmslos. Schließlich wollen wir realistisch bleiben. Gelegentlich liegt bei ihm ein Shirt irgendwo herum. Das Bemerkenswerte ist nur, dass er es meist selbst entdeckt und wegräumt. Sandra muss nicht zuerst eine kriminaltechnische Untersuchung durchführen, um herauszufinden, ob eine Socke noch getragen wird oder seit Dienstag hinter dem Bett liegt. Das vereinfacht den Familienalltag erheblich.

Selbst beim Kochen fehlen uns die widerwilligen Hilfskräfte

Sandra kocht gerne, und die Kinder haben früh gelernt, dass dabei interessante Dinge passieren. Sophie hilft besonders gern beim Schneiden ungefährlicher Zutaten, Rühren und Dekorieren. Lena kann inzwischen einige Gerichte selbst zubereiten und Tom interessiert sich erstaunlich stark für alles, was gebraten, gegrillt oder technisch irgendwie optimiert werden kann.

Wenn Sandra fragt, ob jemand helfen möchte, ist die Wahrscheinlichkeit deshalb hoch, dass mindestens ein Kind auftaucht. Manchmal kommen alle drei. Dann wird die Küche allerdings so voll, dass Sandra überlegt, ob allein zu kochen nicht doch entspannter gewesen wäre. Sie sagt das natürlich nicht. Wer drei freiwillige Küchenhelfer hat, sollte sich schließlich nicht über Platzmangel beklagen.

Markus kann Reparaturen kaum noch allein erledigen

Auch Markus bekommt die außergewöhnliche Hilfsbereitschaft der Kinder zu spüren. Sobald er Werkzeug holt, erscheint Tom mit bemerkenswerter Zuverlässigkeit. Die Frage „Was machst du?“ fällt meistens noch bevor Markus den Schraubendreher vollständig aus dem Kasten genommen hat. Kurz darauf möchte Tom helfen.

Damit bekommt Hausarbeit bei uns gelegentlich den Charakter eines Technikprojekts. Eine lockere Schranktür wird nicht einfach festgeschraubt. Markus erklärt das Scharnier, Tom hält Werkzeug und Sophie schaut vorbei, weil inzwischen irgendwo etwas Interessantes passiert. Lena fragt später, ob alles wieder funktioniert. Natürlich funktioniert es. Schließlich waren zwei IT-begeisterte Männer und mehrere Zuschauer beteiligt.

Niemand erwartet Bezahlung für jedes weggeräumte Glas

Unsere Kinder bekommen nicht für jede kleine Tätigkeit eine Gegenleistung. Das wäre bei ihrem Arbeitseifer wirtschaftlich ohnehin riskant. Wenn Tom einen Müllsack hinausbringt oder Lena den Tisch abräumt, folgt darauf keine komplizierte finanzielle Abrechnung. Sophie stellt ebenfalls keine Rechnung für gewischte Flächen.

Sie betrachten viele dieser Dinge erstaunlicherweise einfach als Teil des gemeinsamen Wohnens. Das hat einen gewissen Nachteil: Markus kann sich kaum noch erfolgreich davor drücken, etwas zu erledigen. Wenn ein Neunjähriges Kind selbstverständlich sein Glas in die Küche trägt, verliert der Satz „Das mache ich später“ bei einem 42-jährigen Erwachsenen erheblich an Überzeugungskraft.

Sandra muss ihre Kinder manchmal regelrecht bremsen

Es gibt Tage, an denen Sandra den Kindern ausdrücklich sagt, dass jetzt niemand etwas tun muss. Besonders nach anstrengenden Schultagen sollen sie ihre Ruhe haben. Lena akzeptiert das meistens. Tom ebenfalls. Sophie braucht gelegentlich länger, um zu verstehen, dass man einen Nachmittag verbringen kann, ohne irgendwo aufzuräumen oder etwas zu gestalten.

Dann sitzen die drei tatsächlich einfach da, spielen, hören Musik oder beschäftigen sich mit ihren eigenen Dingen. Sandra erledigt etwas selbst und genießt kurz das Gefühl, wieder vollkommen unverzichtbar zu sein. Meist dauert es nicht lange. Irgendwann kommt eines der Kinder vorbei und fragt: „Soll ich dir helfen?“

Unser Haushalt leidet unter einem gewissen Überangebot an Motivation

Natürlich ist nicht jede Aufgabe beliebt. Niemand springt morgens begeistert auf und erklärt, heute unbedingt die Toilette reinigen zu wollen. Auch unsere Kinder besitzen Grenzen. Wenn es wirklich unangenehm wird, sinkt die Zahl der Freiwilligen durchaus.

Aber selbst dann muss niemand stundenlang diskutieren. Aufgaben werden erledigt, weil sie eben anfallen. Lena macht es gewissenhaft, Tom möglichst schnell und Sophie mit einer Kreativität, die bei Reinigungsarbeiten gelegentlich zusätzliche Aufsicht erforderlich macht. Danach ist das Thema beendet und jeder macht weiter.

Andere Eltern erzählen uns manchmal, wie schwierig es ist, Kinder zur Mithilfe im Haushalt zu bewegen. Wir hören aufmerksam zu und versuchen, nicht unangenehm aufzufallen. Schließlich möchte niemand berichten, dass das eigentliche Problem darin besteht, einem Kind erklären zu müssen, dass es heute wirklich keinen zusätzlichen Boden mehr wischen darf.

Man muss anderen Familien ihre kleinen Erfolgserlebnisse schließlich lassen.

Und wir haben ohnehin genug zu tun.

Wir müssen nur noch herausfinden, wer morgen den Geschirrspüler ausräumen darf.

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