Schulstress bei Kindern? Unsere freuen sich auf Prüfungen

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Schulstress scheint in vielen Familien ein ernstes Thema zu sein. Eltern berichten von Kindern, die vor Schularbeiten nervös werden, am Abend plötzlich feststellen, dass sie eigentlich seit drei Wochen lernen sollten, und am Morgen einer Prüfung davon überzeugt sind, sämtliche jemals erworbenen Kenntnisse über Nacht verloren zu haben. Man hört von Tränen über Mathematikheften, Diskussionen über Lernzeiten und verzweifelten Eltern, die irgendwann selbst mehr über Bruchrechnen wissen als zu ihrer eigenen Schulzeit. Bei uns kommt das natürlich kaum vor. Unsere Kinder betrachten Schule weitgehend als angenehm strukturiertes Bildungsangebot, das zufällig auch noch regelmäßig Möglichkeiten bereithält, das eigene Wissen unter Prüfungsbedingungen zu präsentieren.

Das bedeutet nicht, dass jeder von ihnen gleich begeistert lernt. Lena liebt Schule ohnehin, Sophie findet vieles spannend und Tom besitzt bekanntlich eine etwas entspanntere Beziehung zu schulischen Höchstleistungen. Trotzdem herrscht vor Schularbeiten in unserer Wohnung keine Krisenstimmung. Niemand versteckt Prüfungszettel, niemand kündigt vorsorglich eine schwere Erkrankung für den nächsten Morgen an und niemand erklärt um 21:38 Uhr, dass morgen vielleicht doch noch ein Vokabeltest stattfindet. Prüfungen kommen bei uns erstaunlicherweise nie völlig überraschend.

Lena betrachtet Schularbeiten als willkommene Gelegenheit

Bei Lena ist Schulstress ohnehin schwer vorstellbar. Sie gehört zu jenen Menschen, die einen angekündigten Test nicht als Bedrohung, sondern als organisatorische Information wahrnehmen. Sobald sie weiß, wann eine Schularbeit stattfindet, überlegt sie, was dafür zu lernen ist, verteilt den Stoff auf mehrere Tage und beginnt rechtzeitig. Sandra hat irgendwann aufgehört zu fragen, ob Lena schon gelernt hat. Die Antwort lautet praktisch immer ja.

Besonders irritierend ist ihre Ruhe am Abend vor einer Prüfung. Während andere Jugendliche angeblich noch hektisch Unterlagen durchsuchen, sitzt Lena häufig schon entspannt im Wohnzimmer. Wenn Markus fragt, ob sie nichts mehr lernen müsse, erklärt sie, dass sie fertig sei und zusätzlicher Stress jetzt ohnehin nichts mehr bringe. Danach schaut sie vielleicht noch etwas mit der Familie oder geht früh schlafen. Es ist für Eltern erstaunlich schwierig, pädagogisch hilfreich zu wirken, wenn das Kind sämtliche vernünftigen Entscheidungen bereits selbst getroffen hat.

Tom sorgt dafür, dass es nicht völlig unrealistisch wird

Zum Glück haben wir Tom. Er sorgt dafür, dass unsere Familie wenigstens gelegentlich daran erinnert wird, wie Schule theoretisch auch funktionieren könnte. Tom ist intelligent, interessiert sich aber deutlich stärker für Sport, Technik und Dinge, die man anfassen kann, als für die Schönheit sauber geführter Schulhefte. Deshalb beginnt er mit dem Lernen manchmal später als Lena es für vernünftig halten würde.

Dramatisch wird es trotzdem selten. Irgendwann sitzt Tom am Tisch, stellt fest, dass er tatsächlich etwas tun sollte, und erledigt es. Wenn er Hilfe benötigt, fragt er. Lena unterstützt ihn gelegentlich, Markus übernimmt technische oder mathematische Themen und Sandra sorgt dafür, dass aus einem Nachmittag kein pädagogisches Großprojekt wird. Tom schreibt anschließend seine Schularbeit und kommt mit dem Ergebnis nach Hause. Fällt es gut aus, freut er sich. Fällt es weniger gut aus, überlebt er erstaunlicherweise ebenfalls.

Eine schlechte Note löst keine Familienkrise aus

Noten besitzen bei uns ohnehin nicht jene dramatische Bedeutung, die ihnen manchmal zugeschrieben wird. Natürlich freut sich Lena über ihre ausgezeichneten Leistungen und natürlich finden Markus und Sandra es schön, wenn die Kinder erfolgreich sind. Aber niemand muss vor dem Nachhausekommen überlegen, wie man eine weniger gute Note möglichst lange geheim halten könnte.

Tom hat schon Ergebnisse mitgebracht, die Lena persönlich vermutlich als Anlass für eine kleinere Untersuchungskommission betrachtet hätte. Markus sah sich die Arbeit an, Sandra fragte, ob Tom verstanden habe, wo das Problem lag, und Tom erklärte mehr oder weniger überzeugend, was beim nächsten Mal besser laufen könnte. Danach wurde gegessen. Die Erde drehte sich weiter. Niemand musste wegen einer einzelnen Note seine Zukunftsplanung überarbeiten.

Sophie möchte manchmal sogar zusätzliche Übungen

Sophie wiederum befindet sich noch in jenem wunderbaren Alter, in dem zusätzliche Aufgaben gelegentlich tatsächlich interessant klingen. Wenn Sandra mit ihr etwas für die Schule übt und Sophie merkt, dass sie es kann, möchte sie manchmal noch eine Aufgabe machen. Sandra versucht, diese seltenen Momente nicht durch sichtbare Begeisterung zu zerstören.

Besonders gern hat Sophie alles, was kreativ gestaltet werden kann. Lernzettel bekommen Farben, kleine Zeichnungen und gelegentlich eine Dekoration, die den eigentlichen Inhalt beinahe in den Hintergrund drängt. Trotzdem lernt sie dabei. Wenn eine Überprüfung bevorsteht, möchte sie häufig zeigen, was sie schon kann. Sandra muss sie dann gelegentlich daran erinnern, dass eine Neunjährige nicht zwingend bis zur vollständigen wissenschaftlichen Beherrschung des Stoffgebietes weiterlernen muss.

Der Abend vor einer Prüfung bleibt erstaunlich friedlich

Abende vor Schularbeiten unterscheiden sich bei uns kaum von anderen Abenden. Das ist vielleicht das Beunruhigendste daran. Es gibt Abendessen, normale Gespräche und irgendwann die übliche Vorbereitung für den nächsten Tag. Niemand sitzt verzweifelt über Büchern und niemand erklärt, dass er sowieso durchfallen wird.

Lena hat längst gelernt. Sophie möchte vielleicht noch einmal kurz etwas wiederholen. Tom behauptet gelegentlich, dass er alles könne. Markus stellt ihm dann zwei Fragen. Danach entscheidet sich Tom manchmal freiwillig dafür, doch noch zehn Minuten in seine Unterlagen zu sehen. Dieser Vorgang kommt einer pädagogischen Eskalation bei uns bereits erstaunlich nahe.

Sandra muss niemandem hinterherlernen

Sandra begleitet die schulischen Dinge ihrer Kinder gern, aber sie hat nie verstanden, warum Eltern irgendwann stärker für eine Prüfung lernen sollten als das Kind selbst. Deshalb fragt sie, unterstützt und hört zu, übernimmt aber nicht die Verantwortung dafür, dass sämtliche Inhalte rechtzeitig in den entsprechenden Köpfen landen.

Erstaunlicherweise funktioniert das. Lena braucht ohnehin kaum Hilfe. Sophie nimmt Unterstützung gerne an und Tom hat gelernt, dass eine vergessene Vorbereitung hauptsächlich für ihn selbst unangenehm ist. Sandra muss deshalb weder Lernzettel heimlich vorbereiten noch jeden Abend kontrollieren, welche Tests in den kommenden zwei Wochen stattfinden. Manchmal weiß sie tatsächlich erst durch die Kinder, dass eine Schularbeit bevorsteht. Für eine Mutter ist diese Form mangelnder Kontrolle fast schon befreiend.

Markus behandelt Prüfungsangst wie ein seltenes Systemproblem

Markus reagiert auf Nervosität erwartungsgemäß ruhig. Wenn eines der Kinder sagt, dass es vor einer Prüfung ein ungutes Gefühl hat, hört er zu und versucht zunächst herauszufinden, ob tatsächlich etwas fehlt oder einfach nur Nervosität vorhanden ist. Meistens ist es Letzteres.

Dann erklärt er mit jener Gelassenheit, die Menschen entwickeln, die beruflich schon deutlich größere Katastrophen als eine Mathematikschularbeit erlebt haben, dass Nervosität nichts daran ändere, was man könne. Bei Lena reicht das meistens. Sophie lässt sich ebenfalls beruhigen. Tom antwortet gelegentlich, dass er wahrscheinlich einfach mehr hätte lernen sollen. Markus stimmt ihm dann zu. Auch das kann erstaunlich entspannend sein.

Lernen muss bei uns nicht das gesamte Wochenende besetzen

Besonders stolz sind wir darauf, dass Schule nicht automatisch jede freie Minute verschluckt. Wenn am Montag eine Prüfung stattfindet, bedeutet das nicht, dass die Familie das gesamte Wochenende in eine Außenstelle des Unterrichts verwandelt. Die Kinder lernen, was nötig ist, und machen anschließend etwas anderes.

Lena kann ihren Stoff gut einteilen. Sophie verliert nach einer gewissen Zeit ohnehin das Interesse und Tom entwickelt spätestens nach einer Stunde eine körperlich kaum zu unterdrückende Sehnsucht nach Bewegung. Deshalb gibt es Pausen, Freizeit und normale Familienaktivitäten. Niemand muss beim Sonntagsausflug heimlich Vokabelkarten im Auto wiederholen. Zumindest nicht gegen seinen Willen.

Konkurrenz zwischen den Geschwistern lohnt sich bei uns kaum

Natürlich sehen die Kinder gegenseitig ihre Leistungen. Tom weiß, dass Lena schulisch deutlich ehrgeiziger ist. Sophie bekommt mit, wenn ihre ältere Schwester wieder ausgezeichnet abgeschnitten hat. Trotzdem hat sich daraus bislang kein besonderer Konkurrenzkampf entwickelt.

Lena kann sich über Toms gute Ergebnisse freuen, ohne sofort ihre eigenen danebenlegen zu müssen. Tom macht gelegentlich Witze über ihr Strebertum, bewundert aber durchaus, wie konsequent sie arbeitet. Sophie wiederum findet ihre eigenen Erfolge wichtig genug und erwartet völlig selbstverständlich, dass die gesamte Familie sich darüber freut. Damit ist die schulische Anerkennung erstaunlich gleichmäßig verteilt.

Selbst Lehrertermine lösen bei uns keine Schockstarre aus

Wenn ein Gespräch mit der Schule ansteht, gehen Markus und Sandra ebenfalls erstaunlich entspannt hin. Es besteht normalerweise keine Sorge, dort völlig neue Informationen über das eigene Kind zu erhalten. Lena ist Lena, Tom ist Tom und Sophie ist Sophie. Die Lehrer erleben im Wesentlichen dieselben Menschen wie wir zu Hause.

Wenn bei Tom einmal etwas weniger rund läuft, ist das selten eine sensationelle Enthüllung. Markus und Sandra hören zu, sprechen später mit ihm darüber und anschließend wird weitergemacht. Wir verlassen Schulgespräche deshalb nicht mit einem zwölf Punkte umfassenden Sofortmaßnahmenpaket. Meistens reicht es, das Kind weiterhin beim Großwerden zu beobachten.

Prüfungen verlieren an Schrecken, wenn niemand vorher in Panik gerät

Vielleicht liegt die entspannte Stimmung bei uns auch daran, dass Schularbeiten nicht schon Tage vorher als drohende Katastrophe durch die Wohnung schweben. Natürlich sollen sich die Kinder vorbereiten. Aber niemand spricht von einem Test so, als hinge davon die familiäre Ehre oder die gesamte berufliche Zukunft ab.

Wenn Lena eine Prüfung schreibt, weiß sie, dass sie gut vorbereitet ist. Wenn Sophie etwas nicht kann, wird es noch geübt. Und wenn Tom zu wenig gelernt hat, erlebt er gelegentlich die erstaunliche pädagogische Wirkung einer natürlichen Konsequenz. Danach weiß er es beim nächsten Mal besser. Manchmal jedenfalls.

Nach der Schularbeit wird nicht stundenlang analysiert

Auch nach Prüfungen bleibt unsere Familie beneidenswert unkompliziert. Die Kinder kommen nach Hause, erzählen vielleicht, wie es gelaufen ist, und beschäftigen sich anschließend wieder mit anderen Dingen. Sandra fragt nicht jede einzelne Aufgabe ab und Markus versucht nicht, aus Erinnerungsfragmenten bereits vor der Benotung ein provisorisches Ergebnis zu errechnen.

Besonders Lena muss gelegentlich daran erinnert werden, eine Sache nach der Prüfung tatsächlich abzuhaken. Tom gelingt das deutlich leichter. Er besitzt die beneidenswerte Fähigkeit, eine absolvierte Schularbeit ungefähr fünf Minuten nach Verlassen der Schule emotional vollständig zu archivieren. Sophie liegt irgendwo dazwischen. So ergänzt sich die Familie auch in diesem Bereich hervorragend.

Schulstress hat bei uns einfach wenig Gelegenheit

Natürlich gibt es Tage, an denen eines unserer Kinder keine Lust auf Schule hat. Es gibt schwierige Aufgaben, nervige Wochen und Momente, in denen mehrere Termine gleichzeitig zusammenkommen. Auch Lena kann sich über Anforderungen ärgern, Tom kann Lernen ziemlich unnötig finden und Sophie kann erklären, dass sie heute wirklich überhaupt nichts mehr machen möchte.

Nur wird daraus erstaunlicherweise selten ein grundsätzliches Problem. Schule ist ein Teil des Lebens, aber nicht das ganze Leben. Eine schlechte Note ist unangenehm, aber kein Weltuntergang. Eine Schularbeit verlangt Vorbereitung, aber keine familiäre Ausnahmesituation. Und Nervosität darf auftreten, ohne dass sofort alle Erwachsenen nervös werden müssen.

Manchmal erzählen andere Eltern von den dramatischen Tagen vor wichtigen Prüfungen. Sandra hört interessiert zu. Markus nickt verständnisvoll.

Dann kommen sie nach Hause und finden Lena entspannt mit einem Buch, Sophie beim Malen und Tom am Computer.

„Habt ihr morgen nicht irgendeine Schularbeit?“, fragt Sandra gelegentlich.

„Ja“, sagt eines der Kinder.

Und dann passiert nichts.

Es ist manchmal wirklich erschreckend, wie wenig aufregend Perfektion sein kann.


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